Sowjetunion

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Petersburger Blutsonntag (1905)

Wie die gescheiterten Reformversuche des Zaren zeigten, konnte die Autokratie Anfang 1900 weder die Bedürfnisse des Volkes stillen, noch im internationalen Wettbewerb mithalten. Die Grenzen der Autokratie waren erreicht.

Die revolutionäre Bewegung der liberalen Intelligenz

Die Anfänge einer revolutionären Bewegung machte die sogenannte Intellgenzija, die sich zu geheimen Banketten traf, um das öffentliche Versammlungsverbot zu umgehen. Aus den westlich orientierten Denkweisen kristallisiertzen sich erste Gruppierungen heraus, die zumeist im Untergrund arbeiteten.
Die Gruppe der Norodniki wollten Russland zum Sozialismus führen. Der Revolutionsversuch scheiterte trotz des erfolgreichen Attentats auf Alexander II. (1881), die Mitglieder wurden festgenommen und bestraft und zuvor erlassene Reformen wurden wiede eingeschränkt.

Eine andere Gruppe unter dem Namen Befreiung der Arbeit (später: Russische Sozialdemokratische Arbeiterpartei) hielt nichts von Terrorismus. Sie orientierten sich an Karl Marx und setzten sich für städtische Bürger und Industriearbeiter ein. 1903 teilte sich die Partei in die Menschewiki und die Bolschewiki auf:

  • Menschewiki: Mitglieder hielten an der Lehre von Karl Marx fest. Ihr Ziel war eine bürgerlich-demokratische Revolution, um den Sozialismus zu erreichen.
  • Bolschewiki: Mitglieder hielten sich an der Lehre von Wladimir Lenin fest, der eine Revolution zum Sozialismus erzwingen wollte.

Um 1900 entstand der Bund der Befreiung, eine Opposition, die sich für eine Verfassunggsgebende Versammlung, Rede- und Pressefreiheit, eine Rentenversorgung und den Achtstundentag einsetzte.

Revolution von 1905

Am Sonntag, dem 9. Januar 1905 formierte sich in der russischen Hauptstadt St. Petersburg ein Protestzug von weit über 100.000 Arbeitern. Ihr Ziel war es, dem Zaren Nikolaus II eine Bittschrift zu überreichen. Sie beginnt:

Herrscher! Wir, die Arbeiter der Stadt Petersburg, unsere Frauen, Kinder und hilflosen greisen Eltern, sind zu Dir gekommen, Wahrheit und Schutz zu suchen.

Im weiteren Schreiben betonen die Arbeiter, dass die Grenzen der Geduld erreicht sind – dennoch werden sie nicht ausfallend, wie schon die Anrede “Herrscher” offenlegt. Man beschwert sich zunächst über unerfüllte Bitten und fordert dann die folgenden Punkte:

  • Maßnahmen gegen die Unwissenheit und Rechtlosigkeit des Volkes (Freiheit, Gleichheit etc.)
  • Maßnahmen gegen die Armut des Volkes (z.B. Abschaffung der Ablösezahlungen)
  • Maßnahmen zum Schutz der Arbeitsverhältnisse (Mindestlohn, Achtstundentag etc.)

Der Protest endete in einer blutigen Katastrophe, als Truppen in die Menge schossen. Circa 200 Menschen wurden getötet, viele tausende verletzt. Die Folge: Die Treue gegenüber dem Zaren war erloschen, in vielen Städten brachen Arbeiterstreiks und -demonstrationen aus. Unabhängigkeitsbestrebungen in den Provinzen folgten.

Petersburger Blutsonntag 1905
Orginalaufnahme: Aufstellung von berittenem Militär, Kavallerie vor dem Winterpalast;
aus: Bundesarchiv der Bundesrepublik Deutschland Bild 183-S01260

Entstehung von Sowjets (Räten) & Parteien

Die Ziele der Menschen waren nun eindeutig von politischer Natur, die Reform des Gesamtstaats stand im Vordergrund. Es kam zu Generalstreiks, Gründung von Gewerkschaften und es bildeten sich erste Sowjets. Hierbei handelte es sich um Führungsorgane der Arbeiterschaft, unterstützt von der Menschewiki.

Das Volk war in seiner politischen Standfestigkeit gestärkt worden. Der immer wieder eskalierende Widerstand gegen das autokratische Zarensystem veranlasste Nikolaus II., das Oktobermanifest zu erlassen. Ein Parlament (“Duma”) wurde gewählt, ohne dessen Zustimmung künftig keine Gesetze mehr verabschiedet werden sollten. Der positive Schein trügt jedoch: Das Wahlrecht war eingeschränkt, ungleich und bevorzugte Adel und Besitzbürgertum. Als 1907 radikale Mehrheiten das Parlament zu dominieren drohen, wird das Wahlrecht einfach geädert.

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